News Back
Erfahrungen aus dem Showbiz: Schweiz vs. Amerika

Erfahrungen aus dem Showbiz: Schweiz vs. Amerika

Warum tritt man (noch) in Bern auf wenn man in New York City Shows machen kann?

…oder: warum tut man sich den steinigen Weg in NYC an, wenn man es zu Hause bequem haben könnte?

Diese Frage ist sehr einfach zu beantworten: weil man eine vielseitige Künstlerin ist und logischerweise jede Chance nutzt, die Kunst der Kontorsion dem Publikum aus aller Welt näher zu bringen. Ein toll klingender Name einer Grossstadt sagt rein gar nichts über die Qualität eines Anlasses aus. Letztendlich bin ich es, die beste Qualität, egal wo auf dieser Welt, auf Topniveau bringen muss. Denn gerade in Städten, wo einem die Leute noch nicht gut kennen, oder vielleicht noch überhaupt nie von einem gehört oder gesehen haben, gilt es, alles zu geben, was man sich in all den Jahren, auf riesig grossen und winzig kleinen Bühnen, hart erarbeitet hat.

Es ist jedoch schon so, dass man mit den Jahren auf alles achtet. Wo man früher noch dankbar jede erdenkliche Auftrittsmöglichkeit, ohne zu hinterfragen, angenommen hat, ist man irgendwann soweit zu wissen, was einem noch etwas bringt und vor allem eine Herausforderungen bietet und eben, hohe Qualität.

Ich habe in New York Shows mitgemacht, bei denen ich mir in der Schweiz wahrscheinlich zweimal überlegt hätte, überhaupt meine Knochen zu verbiegen: schlechte Bezahlung (wenn überhaupt), eine eher heruntergekommene Location (die jedoch meinst als „trendy“ gilt), keine Möglichkeit sich in Ruhe irgendwo warm zu machen und vorzubereiten…, ja in Big Apple drückt man alle Augen zu, denn es gilt wie damals in meinen Anfängen als Schlangenfrau, erstmal entdeckt zu werden und das Showtreppchen nach und nach emporzusteigen. Es ist ein anstrengender Weg, aber im Ausland kann man nicht erwarten dass einem der rote Teppich ausgelegt wird. Niemand hat auf mich gewartet, aber: wenn man eine tolle Performance abliefert und das nicht nur einmal, spricht es sich schnell herum und es kann dann auch schnell zu sehr grossen Auftritten an namhaften Galas und Events kommen, wo man sich plötzlich neben Superstars im Line-up wiederfindet. Oder man diese im Publikum entdeckt. Alles ist möglich, wenn man an sich glaubt und nie aufgibt. Dies ist die stetige Hoffnung, die einem antreibt und lebendig hält!

Ich kann von Glück sagen, dass ich dies nach relativ kurzer Zeit schon erleben durfte, in diesem riesigen Land: 12 Millionen Zuschauer waren am Bildschirm bei meinem Finalauftritt bei „America’s Got Talent“, grosse Stars schauten zu als ich die Halbzeitshow für die NBA gemacht habe und mein Traum wurde wahr, als ich die Erlaubnis bekam, auf dem Times Square in New York City zu performen zum Gedenken an die Opfer von Orlando.

Doch wie lange hält man einen Neuanfang mit all den Strapazen, die man eigentlich glaubte längst hinter sich zu haben, überhaupt aus? Darauf gibt es keine allgemeine Antwort. Manche versuchen es jahrelang und hoffen immer noch, andere geben sich maximal ein paar Monate und schauen, was sich ergibt. Wieder andere sagen sich: ich bleibe bis ich keine Kohle mehr habe, denn heim kann ich immer noch. Und hier kommt mein Vorteil, der mir unglaublich viel Spielraum lässt und gleichzeitig die Antwort auf den obigen Blogtitel präzisiert:

Es ist toll in NYC und in anderen exotischen Städten aufzutreten und Dinge auszuprobieren, und sich vor allem künstlerisch zu entfalten. Jedoch kann ich dies nur, weil mir das Schweizer Publikum und meine Kunden aus dem europäischen Raum treu sind, gute Jobs und Buchungen geben, mit anständiger Bezahlung. Diese erlaubt es mir, dann wieder in die USA und ins ferne Ausland zu gehen und mich weiterzuentwickeln. Deshalb bin ich gerne Weltenbummler, aber schätze immer mehr die Professionalität der Veranstaltungen in der Schweiz. Die Sauberkeit der Garderobe, die Verträge, die nicht nur versprechen, sondern auch halten, die Kunden, die stolz sind, dass sie mich buchen konnten und ich ihren Abend mit gestalte mit meiner Kunst.
Schweizer Künstler die nie herumgekommen sind und sich über kleinste Dinge in ihrem Land beklagen, sollten dringend die Welt da draussen erleben gehen. Sie würden mit Ehrfurcht und Dankbarkeit heimkehren und froh sein über alles was sie hier haben. Dies gilt übrigens für viele Leute die aus einem der reichsten Länder dieser Erde kommen: begreift wie gut es euch geht!

Und last but not least: man tritt in Bern auf, weil man seine Wurzeln nie vergessen hat und weiss, wo alles anfing. Man ist stolz es soweit gebracht zu haben, aber nie zu stolz um auch im kleinen Rahmen für Leute mit weniger Budget oder Glück im Leben, ganz abseits von Glitzer und Glamour, aufzutreten und dankbar zu sein, etwas Wertvolles geben zu können. Denn nicht jeder hat das Privileg überall hinzukommen, die Welt zu sehen, eingeladen zu werden und immer wieder Neues zu entdecken durch seinen Beruf. Manche sind ein Leben lang an einem einzigen Ort. Also bringe ich etwas zurück an all diese Menschen.

Es gab immer wieder Leute die mit rieten, mehr Gage zu verlangen, exklusiver zu sein, denn ich könnte es ja mit meinem Bekanntheitsgrad, hiess es. Doch ich habe mich geweigert, denn meine Kunst einem breiten Publikum zu zeigen, steht an erster Stelle. Das Geld kommt auch mit vielen Auftritten. Mit hoher Gage wäre ich vielleicht schnell ein bisschen reicher, aber wie viele Buchungen hätte ich dann tatsächlich noch? Ich würde schneller als mir lieb wäre in der Liga „exklusiv“ und fast unbezahlbar landen, buchbar nur für einige wenige Kunden. Und das wäre bestimmt nicht die Absicht die ich als Künstlerin habe…
Es ist also diese Mischung aus Neuanfang und etabliertem Status, das dem Künstlerleben die richtige Würze gibt, und mich stetig herausfordern.
Beides schätze ich und möchte es nicht missen!

Nina Burri, Schlangenfrau aus Wabern b.Bern, Weltenbummlerin zwischen den USA und Europa

Gastspeaker am TedX Bern am 7.9.2016 zum Thema: “Bubi Eifach”

 

No comments

Leave a Reply

avatar

wpDiscuz